Kammersängerin Hildegard Rössel-Majdan verstorben

Eine große Frau, Künstlerin und Lehrerin hat am 15.12.2010 im 90. Lebensjahr diese Welt verlassen

Ihre früheste Kindheit war von Armut und Entbehrung bestimmt, und trotzdem schien der kleinen Hilde die Künstlerlaufbahn vom Schicksal vorgezeichnet zu sein. Die Tullnerfelderin sang im Kirchenchor, und wurde bei Staatsbesuchen mit ihrem glockenreinen Stimmchen vorgeführt.

Nach der Handelsakademie in Wien, einer Tätigkeit als Chefsekretärin und dann Zwangsversetzung in eine Fabrik in der Hitlerzeit, absolvierte sie 1948 die damalige Akademie für Musik und Darstellende Kunst in Wien, wo sie von ihrem späteren Schwiegervater Prof. Karl Rössel-Majdan und Prof. Helene Wildbrunn, sowie Prof. Bahr-Mildenburg ausgebildet wurde. Schon damals hatte sie jene präzise und gründliche Art des Einstudierens gelernt, die den Sänger zur verläßlichen Stütze jedes Ensembles macht. Sie erwarb sich ein umfassendes Repertoire vom Barocklied bis zu den lebenden Modernen.

1951 wurde sie Otto Klemperer empfohlen, musste einspringen und vom Fleck weg Gustav Mahlers Zweite mit dem „Urlicht“ singen. Noch im gleichen Jahr wurde dieser Start zur Weltkarriere auch durch einen Vertrag mit der Wiener Staatsoper untermauert, der sie trotz lockender Auslandsangebote immer treu blieb. 1952 kam der große Erfolg mit der konzertanten Matthäus-Passion unter Furtwängler im großen Konzerthaussaal, im Theater an der Wien („Ring des Nibelungen“) und dann in Rom. Hilde Rössel-Majdan wurde wohl die meistbeschäftigte Oratoriensängerin. Seit der Wiedereröffnung der Staatsoper, zu deren ständigem Ensemble sie gehörte, sang sie in zehn Jahren an allen internationalen Stätten der Musikkultur. 1957 konnte sie mit Mahlerliedern unter Kubelik in Israel den Bann gegen die deutsche Liedsprache aufheben.

In den Jahren 1955/56 nahm Westminster, USA, die gesamte Bachliteratur mit Hilde Rössel-Majdan auf. Konzerte mit Dirigenten wie Herbert von Karajan, Paul Hindemith, Karl Böhm, Rafael Kubelik, bis Leonard Bernstein fanden in internationalen Konzertsälen, Rundfunkstudios und bei Festivalen statt. Darüber hinaus galt ihre Liebe der Liedliteratur.

In den großen Partien der Opern von Richard Wagner wurden in Italien Triumphe gefeiert, mit italienischen Opern in Deutschland. Neben den Rollen einer Brangäne, Ulrika, Amneris, eines Orpheus, der Eglantine aus Webers „Euryanthe“ u.a. wurde die Sängerin in Wien und anderen Städten zwischen Moskau und Montreal bekannt. Schon 1962 erfolgte die Verleihung des Titels „Kammersängerin“ durch den Bundespräsidenten.

1966, neben ihrem Künstlerberuf, war Hilde Rössel-Majdan als Lehrbeauftragte einer Berufung an die Musikhochschule Graz gefolgt und wurde dort drei Jahre später außerordentlicher Professor. 1971 nahm sie die Berufung an die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst, Wien, für das Fach Stimmbildung an. Sie wurde dort 1976 zum ordentlichen Professor ernannt.

In ihrer Vortragskunst und Unterrichtsmethode setzte sie die Wiener Musiktradition fort, und entwickelte die Methode einer Verbindung von Belcanto mit deutscher Klangbildung und Liedgestaltung weiter. Aus ihrer Hochschultätigkeit gingen Qualitätsstimmen und mehrere internationale Preisträger hervor.

Wie große Aufgaben für sie nie unüberwindlich, kleine nie zu gering waren, um daraus Bedeutendes zu machen, so hat sie sich neben der Hochschule seit 1964 auch selbstlos der Volksbildungsarbeit mit jung und alt angenommen. In ihren letzten aktiven Jahren unterrichtete sie am 1990 von ihr gegründeten privaten Goetheanistischen Konservatorium, sowie ihre begeisterten Studenten in Japan.

Nicht unerwähnt soll bleiben, dass sie als Ehrenmitglied dem Kuratorium für künstlerische und heilende Pädagogik angehörte und ehrenamtlich humanitär für gesunde und seelenpflegebedürftige Menschen wirkte. Bei aller eigenen selbstdisziplinierten Lebensauffassung war sie für viele Menschen auch zur gütigen und helfenden, an jedem Schicksal interessierten Mutter geworden.

 

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